Presseberichte

Wetterauer Zeitung – Verdacht auf Drogendeal: »Schlitzer« verhaftet

25-Jähriger soll 4,5 Kilo Amphetamin und 600 Gramm Marihuana ins Land eingeführt haben — Zugriff gestern Morgen

(dab). Der sogenannte Schlitzer ist gestern Morgen festgenommen worden und sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Der polizeibekannte Rechtsextreme, wegen dem es in der Vergangenheit häufig Ärger in der Wiesengasse gegeben hat, soll gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen haben. Ihm wird vorgeworfen, illegal Drogen nach Deutschland eingeführt zu haben, um damit zu handeln. Konkret geht es um 4,5 Kilogramm Am phetamin und rund 600 Gramm Marihuana. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dürfte der 25-Jährige die nächste Zeit hinter Gittern verbringen: Die Mindeststrafe sieht zwei Jahre Gefängnis vor. Der Gettenauer ist zudem noch auf Bewährung, nachdem er im September wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden war. Weitere Verfahren gegen ihn sind noch nicht abgeschlossen. Außer ihm wurde gestern auch ein 21-Jähriger festgenommen.

Um kurz nach 4 Uhr am Morgen wurden die Nachbarn in der Wiesengasse aus dem Schlaf gerissen. »Es gab einen Riesenschlag und Geschrei«, erzählte eine Anwohnerin der Wetterauer Zeitung. Zunächst hätten sie und ihr Mann sich gesorgt, dass aus dem Haus des ungeliebten Nachbarn wieder Ungemach droht. Beim Blick aus dem Fenster hätten sie nur gesehen, dass das Hoftor aufstand. »Da haben wir noch nicht realisiert, dass das was mit der Polizei zu tun hat.« Denn die meisten der 15 bis 20 Einsatzkräfte, die sich wohl gerade auf den Weg zum Zugriff und zur anschließenden Hausdurchsuchung machten, seien in Zivil unterwegs gewesen. Doch dann sei ein Ruf zu hören gewesen, der für Klarheit sorgte: »Polizei, Hände hoch.«

Kurz darauf sei ein Mann festgenommen worden, später noch ein zweiter. Es mag der Dunkelheit des frühen Morgens geschuldet sein, dass keiner der Anwohner unter ihnen den »Schlitzer« erkannte. Er sitzt mittlerweile, nachdem er gestern Nachmittag dem Haftrichter vorgeführt wurde, in Untersuchungshaft. Bei dem anderen Mann handelt es sich um einen 21-Jährigen aus dem Kreis Limburg-Weilburg. Bei ihm werde heute entschieden, ob auch er in Haft komme, sagte Ute Sehlbach-Schellenberg, Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Gießen. Die Frau des 25-Jährigen wurde ebenfalls vorläufig festgenommen, nach der Vernehmung jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt.

Der Zugriff erfolgte, als der »Schlitzer« von seiner mutmaßlichen Drogenfahrt gerade nach Hause kam. »Er wurde auf frischer Tat ertappt«, berichtete Sehlbach-Schellenberg. Der 25-Jährige habe die Drogen noch im Rücksack gehabt. Nach derzeitigem Er-mittlungsstand gehen die Beamten davon aus, dass der Mann sich die Betäubungsmittel in den Niederlanden beschafft hat. Die Mengen deuten darauf hin, dass er damit handeln wollte. »Das fällt nicht mehr unter Eigenbedarf«, sagte Sehlbach-Schellenberg. Wegen des dringenden Tatverdachts des unerlaubten Einführens von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge sei denn auch Haftbefehl ergangen.

Sowohl der »Schlitzer« als auch der 21-Jährige sind laut Polizei und Staatsanwaltschaft »wegen verschiedener Rauschgiftdelikte bereits polizeilich bekannt«. Außer den Drogen fanden die Fahnder im Haus des 25-Jährigen Bargeld, das sichergestellt wurde. Zur Höhe konnte die Staatsanwaltschaft keine Angaben machen.

Während des Polizeieinsatzes in Gettenau, der bis etwa 7.15 Uhr dauerte, sei ein reges Kommen und Gehen zu beobachten gewesen, berichteten die Nachbarn. Nach und nach seien die Rollläden hochgezogen worden, und man habe Menschen mit Handschuhen im Haus arbeiten sehen. Einige Ermittler hätten Gegenstände aus der Hofreite getragen, unter anderem in einem großen blauen Sack. »Das sah nach technischem Gerät aus«, erzählte eine Anwohnerin. Sie befürchtet, dass auch ein Richtmikrofon unter den beschlagnahmten Sachen war. Damit, vermutet sie, habe der »Schlitzer« die Nachbarn abgehört.

Die Anwohner fürchten Konsequenzen nach dem polizeilichen Zugriff.  »Hoffentlich schiebt er uns das nicht wieder in die Schuhe«, sagte eine Frau der WZ. Das Haus des »Schlitzers« war im Januar bereits wegen des Verdachts der Volksverhetzung untersucht worden. Im April stellten die Beamten die Hofreite auf den Kopf, weil der Mann gegen das Waffengesetz verstoßen haben soll. Kurz darauf wurde mit einer Luftdruckwaffe auf das Fenster eines Nachbarn geschossen; außerdem steht der Vorwurf im Raum, der Gettenauer habe den Sohn einer Nachbarin fast überfahren.

Was den Lärmpegel angeht, sei es in letzter Zeit allerdings »sehr, sehr leise« auf der Hofreite geworden, sagte eine Anwohnerin. »Seit einem halben bis dreiviertel Jahr bekommen wir so gut wie nichts mehr mit.« Sie vermutet, die erhöhte Polizeipräsenz habe zu mehr Vorsicht beim »Schlitzer« geführt. Doch offensichtlich war er nicht vorsichtig genug. Denn sollten die Ermittlungen ergeben, dass der 25-Jährige tatsächlich in Drogengeschäfte verwickelt ist, erwartet ihn eine Mindeststrafe von zwei Jahren. »Er muss bei einer Verurteilung mit einer empfindlichen Freiheitsstrafe rechnen«, sagte Ute Sehlbach-Schellenberg von der Staatsanwaltschaft Gießen. Außerdem könne die Bewährungsstrafe vom September widerrufen werde.  

© Wetterauer Zeitung 08.07.2011

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