Presseberichte

Kreis Anzeiger – Echzeller weist jede Schuld von sich

Polizei findet in Tattoostudio verfassungswidrige Vorlagen

 „Reichsadler mit Hakenkreuz, Dolch mit Hakenkreuz, Doppelsigrune, Hitlerbildnis“ – knapp 100 Vorlagen hat die Polizei im Tattoostudio des Echzellers, der sich derzeit vor dem Gießener Landgericht verantworten muss, in einem Leitzordner gefunden. Das Verwenden verfassungswidriger Kennzeichen ist nur einer von etlichen Vorwürfen, die verhandelt werden. Unerlaubter Waffenbesitz und Drogenhandel im großen Stil sind andere. 

Den Besitz des Ordners bestreitet der 26-Jährige nicht, behauptet aber, „diesen persönlichen Karteikasten der Öffentlichkeit nicht zugänglich“ gemacht und sich deshalb „auch nicht strafbar gemacht“ zu haben. Wie so häufig in diesem Prozess, würdigte der Echzeller am Montag seine Angaben im Lichte des Strafgesetzbuches gleich selbst.

Die rechte Gesinnung, für die der verheiratete Mann ebenso bekannt sein soll wie für seine Waffenliebhaberei, stand noch ein weiteres Mal im Mittelpunkt des achten Verhandlungstages. Am Richtertisch wurde sein rechter, über und über tätowierter Arm begutachtet. Darauf soll en – für Zuschauer und Prozessbeobachter war das nicht zu sehen – ein an einem Galgen baumelnder Davidstern und darunter Totenköpfe mit leidverzerrten Gesichtern zu sehen sein. Ein Polizeibeamter hatte sich im Februar 2011 den Oberarm genauer angesehen, als der Angeklagte einen Freund in die Notaufnahme eines Friedberger Krankenhauses begleitet hatte. Daraufhin war ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung eingeleitet worden.

Auch die schlechten Beziehungen zur Nachbarschaft waren ein weiteres Mal Thema. Die Nachbarn seien „mit ihrer Mundpropaganda mit Schuld“ daran, dass er „als großer Krimineller“ dargestellt werde, hatte der verheiratete Mann an einem der ersten Verhandlungstage gesagt. Die Nachbarn berichteten indes von konkreten Vorfällen. Einen 16-jährigen Jungen aus seiner Straße soll der Angeklagte im Frühjahr 2011 beinahe umgefahren haben. „Erst gebremst, dann Vollgas“, erinnerte sich der Zeuge. Den Vorfall habe es nicht gegeben, behauptete der Angeklagte. Die Katze der Familie sei ihm einmal vor das Auto gelaufen, mehr nicht.

 Ein paar Türen weiter wurde am Landgericht am Montag die Verhandlung gegen einen mutmaßlichen Dealer des Echzellers eröffnet. Dem Mann aus Weilmünster wird 22-facher Handel mit Betäubungsmitteln vorgeworfen, der Echzeller soll sein Abnehmer gewesen sein. Während einer Verständigung der Verfahrensbeteiligten hatte der 23-Jährige ein Geständnis abgelegt. Ihn erwartet nun eine Freiheitsstrafe zwischen zwei Jahren und neun Monaten und drei Jahren und drei Monaten. Das Urteil in diesem Fall ergeht voraussichtlich am Freitag. Der Prozess gegen den 26-Jährigen aus Echzell wird heute fortgesetzt.

© Kreis Anzeiger 2.10.2012

 

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