Kreis Anzeiger – Gleich sieben Anklagen in einem Verfahren
Prozess gegen 26-jährigen Echzeller am Landgericht Gießen – Vorwurf des Drogenhandels und der Volksverhetzung
Schon seit geraumer Zeit ist der Echzeller bekannt für seine Nähe zu Drogen, Waffen und zur rechten Szene.
Und bereits zwei Stunden nach Prozessbeginn am Landgericht zweifelt wohl niemand mehr daran, dass der 26-Jährige zumindest in seiner Welt etwas zu sagen hatte.
„Ohnehin schon dominant“, wie er von sich selbst sagt, gibt er sich auch im Gerichtsaal. Perfekt vorbereitet, eloquent, höflich ohne jede Unterwürfigkeit, drängt sich die Verbindung von Intelligenz und Gefährlichkeit geradezu auf.
Gleich sieben Anklagen sind vor der Siebten Strafkammer zu einem Verfahren verbunden worden. Neben Verstößen gegen das Waffengesetz, Drogenhandel und Volksverhetzung sind auch das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Körperverletzung, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und ein Verstoß gegen das Kunsturheberrechtsgesetz darunter.
Beim Prozessauftakt widmet sich die Kammer ausschließlich den Drogen. Bis auf wenige der zahlreichen Anklagepunkte räumt der Echzeller Erwerb, Besitz und Handel mit Amphetamin, LSD und Extasypillen ein. Viel diskutiert wird allerdings über die Mengen im Einzelnen und darüber, ob etliche Freundschaftsdienste nicht doch gewinnbringende Geschäfte waren.
Im Sommer 2010 war er erstmals mit Drogen in Berührung gekommen, wenige Monate später offenbar bereits ganz gut im Geschäft, teils um den eigenen Konsum zu finanzieren, teils um Geld zu machen. Trotz vieler schrecklicher Details aus sieben Anklagen ist die Stimmung im Gerichtssaal gut.
Der Vorsitzende Richter, Dr. Johannes Steinbach, macht „Einwürfe, die der Auflockerung dienen sollen“ und selbst der Angeklagte bringt Verfahrensbeteiligte und Zuschauer zum Lachen. Zumindest dann, wenn die offenkundige Abgeklärtheit des Tattoo-Studio-Inhabers, der sich „ständig die Bullen vom Hals halten“ musste, so gar nicht zum Wetterauer Einschlag im Ausdruck und dem Gesicht, das den Babyspeck noch nicht ganz verloren hat, passen will.
Bleibt abzuwarten, ob sich die Stimmung an den kommenden Prozesstagen ändern wird, wenn die makabersten unter den Vorwürfen näher beleuchtet werden: In seinem Partyraum soll der Angeklagte Gaskammerpartys veranstaltet haben – mit Duschköpfen, die Diskonebel versprüht haben sollen, um an die Vernichtungslager der Nationalsozialisten zu erinnern.
Aus seiner rechten Gesinnung macht der verheiratete Mann kein Geheimnis, trägt sie in Form von Tattoos auf dem Oberarm geradezu ständig mit sich herum. Am Landgericht sind Galgen, Davidstern und Totenköpfe von einem ordentlichen schwarzen Hemd verborgen. Insbesondere für seine politische Gesinnung interessieren sich auch ein paar Besucher der „Grätsche gegen Rechtsaußen“, die zu Prozessbeginn Buttons verteilten und Interviews geben.
Derzeit sieht es so aus, als bliebe es bei den anberaumten zehn Verhandlungstagen, nachdem die ursprünglich erwartete Verständigung der Verfahrensbeteiligten den Prozess, der am Mittwoch fortgesetzt wird, bis jetzt noch nicht verkürzt hat.
© Kreis Anzeiger 18.08.2012
- Kreis Anzeiger – „Gaskammer-Party“, Drogen und etliche Waffendelikte
- Wetterauer Zeitung – Prozess gegen den »Schlitzer« beginnt
- Frankfurter Rundschau – Weg mit den Nazi-Tattoos
- Frankfurter Rundschau – Hakenkreuze und MG
- Wetterauer Zeitung – Maschinengewehr beim »Schlitzer« entdeckt
- Wetterauer Zeitung – »Schlitzer« Patrick Wolf wird in Kürze vor Gericht gestellt
- Frankfurter Neue Presse – Als der „Schlitzer“ ins „Brausebad“ einlud
- Wetterauer Zeitung – »Schlitzer« Patrick Wolf ist seit Montag wieder in Haft
- Wetterauer Zeitung – Bombendrohung gegen Antifa-BI-Vorsitzenden
- Wetterauer Zeitung – Mit dem »Schlitzer« 5 Kilo Drogen gekauft
- Wetterauer Zeitung – Verdacht auf Drogenhandel
- Bild – Hessens Obernazi in Haft
- Frankfurter Rundschau – Neonazi in Haft
- HR Online – Neonazi wegen Drogen verhaftet
- Wetterauer Zeitung – Verdacht auf Drogendeal: »Schlitzer« verhaftet
- Wetterauer Zeitung – Ermittlungen wegen »Gaskammerpartys«
- Frankfurter Rundschau – Vergasung als Partygag
- Wetterauer Zeitung – Thema Wiesengasse »Wieso greifen die Behörden nicht ein?«
- Wetterauer Zeitung – 58-Jähriger von Rechtsetxremen angegriffen


